Bühnenbild für EIN BLICK VON DER BRÜCKE von Arthur Miller
am Schauspiel Frankfurt 2011

Regie: Florian Fiedler
Bühne: Vanessa Eder
Kostüme: Selina Peyer
Dramaturgie: Sibylle Baschung
„….In der leicht versenkten Ebene, die nur ein Viertel der gesamten Spielfläche der Kammerbühne einnimmt, erzeugen die fahl gelben Küchenkacheln, die mühsam hineingezwängte Couch und die winzige Essecke, in der sich nicht einmal ein Stuhl stressfrei versetzen lässt, den Hochdruck eines Dampfkessels. Die hübsche 17-jährige Catherine kann in diesem engen Rattenloch nicht mal Kaffeewasser aufsetzen, ohne ihren lüsternen Onkel Eddie erotisch aufzureizen. Über ihre Köpfe spannt Vanessa Eder eine tief hängende, verstrebte Brücke, die zweifelsfrei auch eine Flucht nach oben vereitelt…. “ Bettina Boyens, Giessener Allgemeine

 

Tragödien seien auch im einfachsten Leben verborgen, glaubte Arthur Miller. Und als er 1947 von der Geschichte eines Hafenarbeiters hörte, der seine Nichte begehrte und einen illegal eingewanderten Verwandten aus Eifersucht auffliegen ließ, fertigte er eine Skizze in Versen an, die er acht Jahre später zu einem vollständigen Drama ausformulierte. Seit zwanzig Jahren lebt der Einwanderer Eddie Carbone mit seiner Frau in prekären Umständen. Die latente Angst vor dem sozialen Abstieg, harte körperliche Arbeit, die Enge der Wohnverhältnisse und der kulturelle Spagat zwischen alter Herkunft und neuem Leben prägen ihren Alltag. Aus Eddies Zuneigung für seine verwaiste Nichte Catherine, die er wie eine Tochter großgezogen hat, ist längst eine leidenschaftliche, besitzergreifende, aber uneingestandene Liebe geworden. Als sich Catherine und Rodolpho, den Eddie zusammen mit dessen Bruder Marco illegal bei sich aufgenommen hat, ineinander verlieben, eskaliert die Situation. Eddies Versuche, Rodolpho als homosexuellen Taugenichts und Betrüger, der sich durch die Ehe mit Catherine nur seine Aufenthaltserlaubnis sichern will, zu diffamieren, schlagen fehl. Besinnungslos vor Eifersucht riskiert Eddie die Achtung seiner Familie und der migrantischen Gemeinschaft.

Kritiken:

…In der leicht versenkten Ebene, die nur ein Viertel der gesamten Spielfläche der Kammerbühne einnimmt, erzeugen die fahl gelben Küchenkacheln, die mühsam hineingezwängte Couch und die winzige Essecke, in der sich nicht einmal ein Stuhl stressfrei versetzen lässt, den Hochdruck eines Dampfkessels. Die hübsche 17-jährige Catherine kann in diesem engen Rattenloch nicht mal Kaffeewasser aufsetzen, ohne ihren lüsternen Onkel Eddie erotisch aufzureizen. Über ihre Köpfe spannt Vanessa Eder eine tief hängende, verstrebte Brücke, die zweifelsfrei auch eine Flucht nach oben vereitelt…. Bettina Boyens, Giessener Allgemeine

…Das ist sehens- und mitfühlenswert. So wie Eddie scheinen hier – in dem winzigen Häuschen, das Vanessa Eder sehr geschickt in die Bühne hingewinkelt, gekastelt und geklemmt hat – alle um ihr Leben zu ringen…Peter Michalzik, Frankfurter Rundschau

…Das Ergebnis gefällt und ist gut genug, um Martin Rentzsch (Eddie) und Henriette Blumenau (Catherine), aber auch Mathis Reinhardt (Rudolpho), Heidi Ecks (Beatrice) und Johannes Kühn (Marco) in Vanessa Eders verfremdet-realistischer Szenerie alle psychologischen Register ziehen zu lassen….Nachtkritik, Markus Hladek

…Dazu hat Vanessa Eder eine passende Bühne geschaffen. Das Haus von Eddie (Martin Rentzsch} und seiner Frau Beatrice (Heidi Ecks). Eine enge Behausung in New Yorks Hafenviertel Red Hook. In der Nähe der Brooklyn Bridge. Das Haus scheint mit der Brücke verwachsen zu sein. Die Streben des Bauwerks verlaufen sogar sichtbar über dem Fußboden. Und Küche und Wohnzimmer sind unterirdisch miteinander verbunden. Fast schon ein Verlies…..Main Netz, Jürgen Overhoff

…Vanessa Eders verfremdet-realistische Szenerie setzt einen Laufsteg in die Lüfte über der Rampe, die den Blick von der Brooklyn-Bridge zwischen dem proletarischen Brooklyn und Manhattan symbolisiert und zugleich die Vorstellung einer Hochbahn vor den Fenstern der kleinen Wohnung weckt. Zwischen gelber Wand mit gemaltem Kaminfeuer, billigem Mobiliar, störenden Stahlträgern und einer tieferliegenden Küche vorn brodeln die Leidenschaften….
(dek), Frankfurter Neue Presse

…Die Bühnenbrücke ist eine Andeutung der Brooklyn Bridge, in deren Schatten der Stadtteil der italienischen Hafenarbeiter liegt. Der Titel des Stücks meint den Blick des Autors, der die Brücke nicht mehr nur als Verbindung zweier Stadtteile sieht, sondern unter ihr menschliche Dramen wahrnimmt. Die Wohnung, in der sich die Tragödie abspielt, liegt eingesenkt im Bühnenboden, hinten das Wohnzimmer, vorn die Küche, die Verbindung der beiden getrennten Spielbezirke ist unterirdisch. Ein schäbiges Wohnnest, das nur einen kleinen Teil der Bühne ausmacht, ein Ort der Enge, ein Tatort, den als Erster der Anwalt betritt, um mit seinem Hut das eine oder andere abzustauben, den Plattenspieler etwa, und das Winken der Glückskatze in Gang zu setzen. Sie bewegt das ganze Stück über unablässig den Arm…FAZ.net, Michael Hierholzer

…In den Bühnenboden der Kammerspiele hat Vanessa Eder eine Kleine-Leute-Unterkunft eingepasst. Das Wohnzimmer ist knietief, die Küche hüfttief abgesenkt. Dies zwingt die Schauspieler zu turnerischen Verrenkungen, wenn sie über Streben steigen oder den Durchgang unter den Brettern passieren – überdeutliches, aber originelles Bild häuslicher Enge….
Offenbach Post, Markus Terharn